Ski Trab TR2 im Freizeitalpin-Test

8. Jänner 2014

Ski Trab TR2 – ein völlig neues Pin-Bindungskonzept.

Wer hätte das geahnt, dass Ski Trab eine Bindung von diesem Kaliber auf den Markt bringt, wo es doch Daniele Trabucchi – Entwickler und Miteigentümer von Ski Trab – doch nur darauf ankam, dass die besonders leichten Tourenski besser zu fahren sind!

Alles braucht einen Grund

Ski Trab baute immer schon geile Ski, die sich durch ihre Konstruktion deutlich vom Markt differenzierten. Dabei wenden die Italiener meist ein Wickelverfahren an, womit sie den Kern mit Glasfasern umwickeln und besonders gezielt die Biegekurve und Stabilität der Ski beeinflussen können. Doch je leichter die Ski wurden, desto öfters hörte man Vorwürfe, dass die „neuen“ Ski nicht mehr so gut bei harten Bedingungen funktionieren.

Was ist geschehen? Nun, es ist schnell erklärt. Ein schwerer Ski hat mehr Dämpfungsvermögen als ein leichter und somit rattert letzteres schnell mal. Doch ganz von alleine tut er das auch nicht. Daniele Trabucchi fand bei seinen Tests heraus, dass sich der Ski besonders aufgrund des Spieles zwischen Schuh und Ski leichter aufschaukelt. Stabile Bindungen unterdrücken hingegen dieses Phänomen, doch diese waren vor 5 Jahren im leichten Tourenbereich nicht vorhanden. Damit war der Anstoß zur TR2 gegeben und es wurde wie wild entwickelt. Einige Jahre sah man auf der Ispo im Hinterzimmer schon den Prototypen und es hieß dann immer, dass die Bindung erst dann auf den Markt kommt, wenn sie auch dem TÜV genüge.

Sicherheitsbindung und TÜV

Letztendlich kam die Bindung heuer auf den Markt und sie trägt keine TÜV Plakette. Daniele rechtfertigte sich darauf angesprochen, dass er es bis auf den vorgeschriebenen seitlichen Weg bis zur Auslösung auch geschafft hätte, aber genau dort um einige Millimeter zu wenig Weg zusammen bringt. Die Bindung würde aber ansonsten wie eine Sicherheitsbindung auslösen. Die Ski Trab TR2 nimmt aber dennoch seitliche Schläge auf und schluckt sie bis zu einer Bewegung von 11 mm. Danach gibt sie den Schuh frei, indem die Pins seitlich wegklappen.

Auf das Schuhwerk kommt es an

Dass die Pins vorne weinig Spiel haben, ist auch bei anderen Bindungsherstellern so. Doch happern tut es beim ursprünglich von Fritz Barthel entwickelten System am Fersen. Hier hat man das Gefühl, es handelt sich bei einem klassischen Pin-System lediglich um eine 3-Punkt Aufnahme. Um dieses Problem zu lösen, entwarf Daniele eine völlig neue Fersenaufnahme. Zwei Metallzangen greifen sehr weit außen auf die Ferse und drücken den Schuh in Richtung Ski. Das was hier an Haltekräften entsteht ist einzigartig bei leichten Pin-Bindungen, doch es hat auch einen Hacken. Es muss auch der Schuh dafür vorgesehen sein. Momentan ist lediglich das Schuhmodell „Scarpa SpiritTR2“ dafür erhältlich. Zugegeben, der Schuh ist super, wenn er passt, oder angepasst wurde. Doch es ist momentan eben nur das eine Schuhmodell – sehr schade.

Einstiegskomfort 

Auch beim Einstieg geht Ski Trab mit der TR2 einen neuen Weg. Zum Einsteigen muss man nämlich den Skistock bemühen und vorne den Hebel damit hinunter drücken, bis die Pins soweit geöffnet sind, dass man mit den Inlays schön in die Pins rein schlüpft. Das System steht also etwas unter Spannung. Bei der ersten Präsentation dachte ich mir nichts gutes, wurde aber dann beim Testen positiv überrascht. Denn durch die Trennung von Bewegung und Zielen, klappte der Einstieg erstaunlich gut! Auber auch hier ist ein klein wenig Übung durchaus angebracht! Auch zum Fixieren des Hinterpackens für die Abfahrt, muss man den Skistock einsetzen, was aber ebenso einfach gelingt.

Bedienung

Die Steighilfen lassen sich mit den Stöcken sehr leicht bedienen und auch das übrige Konzept ist nach kurzer Lernphase völlig unproblematisch.

Fahreigenschaften

Jetzt sind wir tatsächlich bei der Königsdisziplin der TR2 angekommen! Daniele hat wohl das wichtigste Ziel erreicht. Denn durch die außergewöhnlich gute Verbindung des Schuhs zum Ski, fahren sich diese um Klassen besser als gewohnt. Die Verbindung ist sogar so gut, dass ich eine TR2 mit stärkeren Federn und geeignetem Schuhwerk sofort auch auf Ski mit einer Mittelbreite über 110 mm schrauben würde. Eine Freeridebindung unter 600 Gramm hätte schon seinen Reiz ;-). Tatsächlich meinte der Erfinder, es stünden auf Anfrage diverse Federn und Stopper zur Verfügung. Angesichts dessen kann man nur hoffen, dass Scarpa  den Freedom 2014/15 als „Freedom TR2“ heraus bringt!

Fazit

Entwickelt wurde die Ski Trab TR2 um leichten Skier bessere Fahreigenschaften zu verleihen. Das tut sie gewiss. Doch macht sie das so gut, dass sie aufgrund der überragenden Haltekräfte für viel mehr geeignet wäre. Leider wird das momentan noch durch das Fehlen des passenden Schuhwerks limitiert. Aber in 3 Wochen wissen wir mehr und es würde mich wundern wenn da nicht noch ein paar Modelle mehr für die TR2 auftauchen! Bis dahin ist die TR2 aber dennoch eine sehr gute Wahl für alle, die ein maximales Fahrerlebnis möchten und sich mit dem Scarpa SpiritTR2 errangieren können.

Links

Herstellerseite Ski Trab