Das PFC Märchen vom C6 Bären

11. Dezember 2013

Die Industrie hat DIE ALTERNATIVE – ganz sicher 😉

Ist PFC C6 eine sichere PFOA-Alternative?

„Nur wenn man glaubt, dass Bären zur Gattung der Rentiere gehören!“, sagt Nikwax-Gründer Nick Brown

Um die Green-Clothes Campagne von Greenpeace ist es in letzter Zeit etwas ruhig geworden. Der Aufreger um PFOA und PFOS – beides gefährliche Fluorcarbonverbindungen – hat sich scheinbar gelegt. Die Industrie hat das Thema gut übertaucht. Aber anstatt dass sie uns jetzt PFC-freie Imprägnierungen präsentieren, kommen nun einfach neue chemische Zusammensetzungen der Fluorcarbonverbindungen.

Was sind PFC-Chemikalien?

Wo findet man PFC, und warum sind sie ein Problem? Die Antwort zur ersten Frage beantwortet gleichzeitig die zweite Frage. PFC kann man überall finden, obgleich es sich hier nicht um ein natürlich vorkommendes Produkt handelt. PFC ist in unserer Blutlaufbahn, in Teppichen, in der Luft von Bürogebäuden sowie in konzentrierter Form in den Körpern von Eisbären. Warum? Weil sie umweltpersistent sind und durch natürliche Prozesse nicht abgebaut werden. Dennoch produziert die Fluorchemieindustrie immer mehr davon, und nichts davon wird sich jemals biologisch abbauen. Eine besonders hohe Menge PFC findet man in einem Großteil der wasserdichten Outdoorbekleidung, denn diese Chemikalien werden normalerweise für die Imprägnierung dieser Materialien verwendet, um die Bekleidung Wasser abweisend zu machen.

Wäre PFC harmlos, wäre all dies selbstverständlich kein Problem. Doch wurde PFC, insbesondere die PFC- Chemikalie „PFOA“, mit der Entstehung von Krebs sowie Schädigungen des Immunsystems in Verbindung gebracht – und das bereits bei unglaublich geringen Mengen. Bereits 50 ppb (Teile pro Milliarde) im menschlichen Körper können das Leben eines jeden einzelnen drastisch verändern. Und da PFOA bio-akkumulativ ist, wird man es auch nicht mehr los.

Die Fluorchemieindustrie will glaubhaft machen, dass die eine PFC-Imprägnierung viel sicherer als die andere ist

Hat man das Thema „PFC“ eine Weile lang mitverfolgt, so weiß man jetzt, dass eine neue Art von PFC-haltigen Imprägniermitteln als „sicher“ verkauft wird: Imprägniermittel auf Basis von C6-kettigem PFC anstelle von C8. Nick Brown, Gründer von Nikwax, hat bereits vor mehr als 10 Jahren entschieden, in seinen Produkten überhaupt kein PFC zu verwenden. Und er hat seine eigene Meinung über den Verkauf von C6 als sichere Alternative:

„Als mir gesagt wurde, dass C6 eine sichere Alternative zu C8-Verbindungen sei, begann ich dieser Behauptung nachzugehen. Ich fand heraus, dass C6 keineswegs als sicherer nachgewiesen wurde, es wurden lediglich weniger Tests durchgeführt die bewiesen, dass es ebenso gefährlich ist. Einziger Grund hierfür ist, dass C6 im Vergleich zu PFC C8-Chemikalien bislang noch nicht so viel in die Umwelt gelangt ist. C6 mit C8 zu vergleichen ist wie der Vergleich zwischen einem Grizzlybär und einem Eisbär. Man stelle sich vor, dass ein Inuit in einem kanadischen Wald zum ersten Mal einem Grizzlybären begegnet. Der Inuit hat keinerlei Beweis, dass der Grizzly gefährlich ist, kann aber sehen, dass der Bär genau so große Zähne und scharfe Krallen hat wie der Eisbär. Es ist definitiv ein Bär. Dann sollte man ihm auch nicht wie einem Rentier gegenübertreten!“

C6 als sicher zu verkaufen ist laut Nick Brown so wie wenn man die Menschheit davon überzeugen möchte, dass Bären eine Rentier-Art sind. Es ist ein Märchen! Die Gleichstellung mit den Zähnen des Bären – die gemeinsame Gefahr zwischen C6 und C8 – ist die dauerhafte Umweltpersistenz dieser Chemikalien. Die Krallen des Bären wiederum sind der Tatsache gleichzusetzen, dass mindestens eine chemische Variante sowohl von C6 als auch von C8 als bio-akkumulativ im menschlichen Körper eingestuft wurde.

 

Warum weiterhin PFC C6 verwenden und eine „sichere“ Story erfinden – bzw. Bären als Rentiere verkaufen?

Traurige Tatsache ist, dass mit dem Verkauf von C6-Imprägnierungen viel Umsatz gemacht werden kann. Da jedoch im Vergleich zu C8 noch relativ wenig C6-Produkte verkauft wurden, existieren darüber selbstverständlich auch noch wenige Studien die dagegen sprechen. Doch gibt es glücklicherweise auch Chemiker unter uns, die bereit sind die Alarmglocken kräftig zu läuten. Greenpeace haben PFC auf ihrem Radar – zumindest in Deutschland. Regierungen in Skandinavien sind hinsichtlich dieses Problems besonders empfindlich. Hersteller von Outdoorbekleidung in weniger umweltverantwortlichen Regionen, wie die USA und Großbritannien, werden jedoch feststellen müssen, dass der Endverbraucher in Zentral- und Nordeuropa sich verstärkt mit diesem Thema beschäftigt. Und Europa ist auch für sie ein wichtiger Markt.

 

Der Endverbraucher kann PFC vermeiden – doch nur, wenn er eine Marke wählt, die „frei von PFC-Imprägnierungen“ ist

Während die Repräsentanten der hier erwähnten Chemiekonzerne vermehrt argumentieren, dass Bären zur Gattung der Rentiere gehören, kann der Endverbraucher selbst entscheiden, ob er an dieses Märchen glaubt. Doch ist dies nicht so einfach, denn die Hersteller sind bislang nicht dazu verpflichtet anzugeben, ob ihre Bekleidung mit PFC-haltigen Imprägnierungen ausgerüstet wurde. Der einzige Weg dies sicher zu umgehen ist eine Bekleidungsmarke zu wählen, die auf ihren Etiketten klar und deutlich angibt, ausschließlich PFC-freie Imprägnierungen zu verwenden. Daher sollte man stets die Etiketten durchlesen oder den Fachhändler fragen, die darüber Bescheid wissen sollten, welche Marken immer noch PFC verwenden.

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  • Foto: judihuii/photocase