built2ride – Skibau in eigenregie!

Einzigartig, individuell und nicht wenig oft besser als die meisten Serienski!

Habt Ihr die Nase voll von Serienbrettern, die meist nur den Wünschen des „Fachhandels“ entsprechen und damit mehr auf „Preispunkte“ getrimmt sind, statt auf auf Performance, Style und Qualität? Dann ist dieser Beitrag genau das Richtige für euch! Ich war letzten Frühjahr bei Build2Ride und habe mir den ultimativen Slalom-Oversizer gebaut.

Bevor wir aber nun zum Skibau kommen, erzähle ich euch mal, weshalb mich dieses Thema so begeistert. Dazu müssen wir ein paar Jahre zurück blicken. Die Luft am Skimarkt war irgend wie draußen und die Verkaufszahlen rutschten in den Keller. Auch als Konsument spürte man, dass die Ideen fehlten. Etwas neues musste her. Der Handel erfand den Pistenrocker. OK. Erfunden hat ihn wer anderer und ursprünglich war er auch nur eine Wunderwaffe offpist. Doch „Rocker“ klingt doch geil und somit musste dieses geile Wort in den Massenmarkt vordringen. Der Handel jubelte, die Skibauer jubelten, wir haben ein neues Baby! Den Rocker-Ski kann man jedem verkaufen! Mit breitem Grinsen im Gesicht versprechen seither „gute“ Skiverkäufer, der Rockerski bringt dir entspanntes Skifahren zurück, er dreht wunderbar und ist absolut easy zu fahren. Die Verletzungsgefahr ist geringer und vom „Allmountain“ Thema ist man sowieso noch nie los gekommen, er funktioniert also praktisch auf der Piste und im Powder. Das ist der neue Wunderski! Nun, ich bin schon einige dieser Wunderwuzzis gefahren und kann mich damit nur anfreunden, wenn der Ski eine Mittelbreite von über 115 cm hat knapp 2 Meter lang ist und vor mir ein abartig geiler Tiefschneehang liegt. Doch auf der Piste fahren Roker nur Langweiler, Pensionisten und Menschen, die ihrem Skiverkäufer blind vertrauten ;-)

Übersetzt heißt Rocker für die Piste nämlich, brutalen Kanntengrip für extremste Kurven gibt es damit nicht mehr, wodurch der einst ambitionierte Skifahrer unheimlich viel Kraft spart. Auch das Einleiten einer Kurve über die Spitze kann man sich sparen. Also nochmals weniger Bewegung und noch mehr Krafteinsparung. Auf harter Piste fühlt man sich trotz künstlicher Verlängerung wie mit einem Kinderski, denn die neuen Rocker liegen ja gut 1/5 weniger auf. Wow, der dreht aber ;-). Macht nichts, man hat ja noch Kraft, wegen zuvorigen fehlenden Kurvenexzessen und damit ist die Verletzungsgefahr geringer und man kann noch 2 Bier auf der Hütte mehr heben. Verschneiden tun die Dinger auch nicht mehr, weil sie ja nur noch luschig unter der Bindung greifen! Und wenn man nun mit seinen Spaghetti-Pistenrocker in den Powder gräbt, wird man feststellen, dass die Latten ja dort genau so fantastisch ungeil gehen wie auf der vereisten Kunstschneepiste vorhin.

Ihr könnt euch also denken, wie ich meine alten Ski seither hegte und pflegte, denn es war weit und breit keine Alternative in Sicht. Doch dann rief mich Appi an und erzählte mir, dass er grad am Weg zu einer Firma ist, wo man Fahrräder selbst bauen kann. Es war Anfang April, bei uns gabs noch Schnee ohne Ende und damit war die Skitourensaison noch lange nicht vorbei. Jedes mal also wenn Appi „Bike“ sagte, hörte ich „Ski“. Doch drei Sätze später meinte er tatsächlich, die Jungs bauen sonst Ski und man könne dort ein Wochenendseminar buchen und dabei seinen ganz individuellen Ski bauen. Jetzt hatte er meine volle Aufmerksamkeit!

Schnell war ein Termin klar gemacht und ich fuhr eine Woche später nach einem absolut geilen Tag Freeriden am Arlberg nach Fachant. Und mit der leicht esotherisch klingenden Überschrift, geht’s nun wirklich ums Ski selber bauen!

Skibau Seminar bei BUILD2RIDE

In 2 Tagen zum DIY Ski! Ob Carver, Tourenski oder Freerider legt man im Vorfeld schon fest. Genau so, ob man einen der bewährten Shapes übernimmt, oder seinen Drang zum Experimentieren nachgeht. Dabei wird man von den Jungs von Build2Ride bestens beraten und mit ihren Knowhow unterstützt. Dieses kommt zum einen Teil von vergangenen Rennlauferfahrungen und zum anderen Teil aus der handwerklichen Erfahrung. Hat man als erfahrener Skifahrer konkrete Vorstellungen davon, was der Ski können soll und liegen diese innerhalb physikalischer Möglichkeiten, stehen die Chancen recht gut, genau das zu bekommen, was man sich erhofft. Ich wollte z.B. einen Slalomski, der etwas breiter unter der Bindung ist, damit er auf schlechter Piste noch ordentlich die Kannte bis hinunter zur griffigen Schicht im Schnee bringt. Dadurch musste er aber auch besonders torsionssteif werden, und zu meinem Körpergewicht – oder soll ich besser Kampfgewicht sagen? – passen. Die Skiindustrie stellt jedenfalls aktuell keinen diesen Bedürfnissen angemessenen Ski her und bewegt sich sogar immer mehr von Jahr zu Jahr davon weg.

Dann kommt die Klärung des Designs. Hier wird es richtig lustig, denn beim Handmadeski kann man sich beim Design von schlicht, edel bis verrückt bewegen. Es soll schon Leute gegeben haben, die das Unterhöschen ihrere Liebsten einlaminierten ;-). Üblich sind jedoch 2 Methoden. Entweder man wählt ein edles Furnier und verpasst dem Ski damit eine exklusive Holzoberfläche, die entweder mit Bootslack versiegelt, oder noch schöner, nur geölt wird, oder man lässt sich sein Design bei FREAKS OF FASHION ausdrucken. Diese Methode erschien mir für unseren Freizeitalpin-Ski angemessen. Dabei wird auf ein Stoff-artiges Trägermaterial das Design in der notwendigen Größe aufgedruckt. Da hier die Materialwahl sehr entscheidend für den Erfolg beim Laminieren ist, überlässt man das am Besten den Profis in Berlin. Die Abwicklung war prompt und die Ausführung für den vorgesehenen Zweck dank jahrelanger Zusammenarbeit der beiden Firmen perfekt.

Nachdem wir Form und Design geklärt haben ging es ab nach Farchant. Das ist ein wundervoller Ort vor der Touristenhochburg Garmisch-Patenkirchen. Regelrecht erfrischend, wenn man Garmisch kennt ;-)

Der Ort des Geschehens ist eine alte Tischlerwerkstätte, ausgerüstet mit genügend Arbeitstischen, Maschinen und Werkzeug. Gebaut wird in der Gruppe. Denn viele Schritte gehen zu zweit oder überhaupt dann beim Laminieren mit vielen Händen einfach besser. Genau das ist es dann aber auch, was riesen Spaß macht! Denn auch wenn die Gründe für so ein Skibauseminar unterschiedlich sind, das Ziel ist bei jedem das Selbe – das schweißt automatisch zusammen.

Am ersten Tag werden die Ski und Boards soweit fertig, dass sie am Ende des Tages in die Temperkammer kommen und unter Vakuum und einer erhöhten Temperatur aushärten. Danach wird der Tag beim Wirten vor Ort ordentlich mit ein paar Bier Nachbesprochen.

Am 2. Tag wird dann das ausgehärtete Laminat ausgepackt – einer der geilsten Momente der beiden Tage! Da wird ordentlich gestaunt und man sieht schon die unterschiedlichen Designs und Oberflächen.

Nach einer Schneidorgie mit der Stichsäge gehen die Jungs von Build2Ride das Ding nochmals ordentlich schleifen. Das ist auch gut so, denn dazu muss man buchstäblich von Kopf bis Fuß eingepackt sein, denn hier wird’s richtig staubig. Die Gruppe kann inzwischen schon mal fachsimpeln und sich auf den ersten Skitag freuen. Denn danach wird nur noch mit der Hand etwas am Finish gearbeitet und die Ski und Boards wandern schon ins nächste Sportgeschäft für den Erstschliff des Belages und der Bindungsmontage.

Mehr dazu in unserer Galerie:

 

 

Das Ergebnis

Tja, was meint Ihr! Der Freizeitalpin Ski ist natürlich ohne Übertreibung der geilste Slalom Oversizer den man fahren kann! Das meine ich leider ernst. Der Ski bekam eine ordentliche Vorspannung, einen Eschenholzkern und 2,5 Lagen Glasfasermatte, damit er nochmals richtig torsionssteif wurde. Das Ding geht in die Kurve, wie man es von einem Slalomski der Semirennklasse erwartet – und das trotz Überbreite! Auch die Eigenschaften im etwas weicheren Schnee sind ausgezeichnet. Ich konnte ihn mittlerweile bei allen Bedingungen testen. Eine kleine Standhöhenkorrektur war zwar nachträglich noch notwendig, aber nun frisst unser Freizeitalpin-Ski bei absolut jedem Schnee die Kurven, dass man sein Workout in maximal 2 Stunden erledigt hat!

Fazit

Skibauen und sicher auch Board bauen macht nicht nur riesen Spaß, sondern man bekommt auch ein Sportgerät, das buchstäblich Maß-geschneidert ist.

Wer Lust auf einen besonderen Ski mit einem besonderen Erlebnis hat, der ist bei Buid2Ride goldrichtig: www.build2ride.com

Fotos: Freizeitalpin.com